Ein Heizkörper, der oben kalt bleibt, unten aber warm wird und dabei leise gluckert, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Luft im Inneren. Diese Luft steigt beim Aufheizen nach oben und verdrängt das warme Wasser aus dem oberen Bereich des Heizkörpers. Abhilfe schafft in den meisten Fällen das Entlüften über das kleine Ventil an der Oberseite des Heizkörpers, das jede Mieterin und jeder Mieter selbst bedienen kann.
Woran Sie Luft im Heizkörper sicher erkennen
Neben dem klassischen Gluckern gibt es weitere Anzeichen, die auf Luft im System hindeuten. Ein Handtest hilft dabei: Fahren Sie mit der flachen Hand vom oberen zum unteren Rand des Heizkörpers, während die Heizung läuft. Ist die obere Hälfte spürbar kühler als die untere, bestätigt das den Verdacht. Auch ein längeres Aufheizen als sonst, obwohl das Thermostat unverändert eingestellt ist, kann auf Luft hinweisen, ebenso ein Heizkörper, der nur an einzelnen Stellen warm wird, während andere Bereiche kalt bleiben.
Befüllen, Undichtigkeiten, Erwärmung: die typischen Quellen
Luft gelangt auf verschiedenen Wegen in eine Heizungsanlage: beim Befüllen und Nachfüllen von Wasser, durch kleine Undichtigkeiten an Verschraubungen im Lauf der Jahre oder physikalisch bedingt, weil Wasser bei jeder Erwärmung geringe Mengen Luft freisetzt. Nach dem Sommer, wenn die Heizung länger stillstand, oder kurz nach dem Befüllen einer neuen Anlage ist Luft im System besonders häufig. Ein einzelner Heizkörper mit Luftblase ist meist unproblematisch, mehrere betroffene Heizkörper gleichzeitig deuten eher auf einen niedrigen Gesamtdruck in der Anlage hin – dazu mehr im Beitrag zum Heizungsdruck.
Mit dem Vierkantschlüssel in sieben Handgriffen
- Heizung anschalten und warten, bis die Anlage in Betrieb ist und der betroffene Heizkörper zumindest teilweise warm wird. Im laufenden Betrieb sammelt sich die Luft zuverlässiger an der höchsten Stelle.
- Thermostatventil voll aufdrehen, damit Wasser frei durch den Heizkörper strömen kann.
- Lappen und kleines Gefäß bereitlegen, denn beim Öffnen tritt zunächst Luft und danach etwas Wasser aus, das tropfen oder kurz spritzen kann.
- Entlüftungsventil mit dem Vierkantschlüssel (auch Entlüfterschlüssel genannt, für wenige Euro im Baumarkt erhältlich) vorsichtig eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn öffnen. Ein zischendes Geräusch zeigt austretende Luft an.
- Ventil offen halten, bis die Luft entwichen ist und ein gleichmäßiger, luftfreier Wasserstrahl austritt.
- Ventil zudrehen, sobald nur noch Wasser ohne Zischen kommt – nicht zu fest anziehen, um das kleine Gewinde nicht zu beschädigen.
- Heizkörper erneut prüfen: Wird er jetzt gleichmäßig warm, war es die Luft. Bleibt er weiterhin kalt, liegt die Ursache woanders.
Bei mehreren Heizkörpern arbeiten Sie sich von unten nach oben durch die Wohnung, da Luft in tiefer liegenden Leitungen sonst wieder nach oben in bereits entlüftete Heizkörper wandern kann.
Das richtige Werkzeug
Der klassische Entlüfterschlüssel ist ein kleines, meist vierkantiges Metallstück, das in vielen Baumärkten für wenige Euro erhältlich ist. Manche Ventile lassen sich stattdessen mit einem Schlitzschraubendreher öffnen, ohne dass ein spezielles Werkzeug nötig ist. Praktisch ist außerdem ein kleines, flaches Gefäß oder ein alter Lappen, den Sie unter das Ventil halten, sowie ein zweiter Lappen zum Nachwischen, falls doch etwas danebengeht. In vielen Berliner Altbauwohnungen sitzen an historischen Gussheizkörpern teils andere Ventilformen als an modernen Flachheizkörpern – im Zweifel hilft ein kurzer Blick auf das Ventil, bevor Sie im Baumarkt den passenden Schlüssel kaufen.
Was Sie dabei beachten sollten
- Ventil zu weit aufdrehen: Es reicht eine Vierteldrehung, sonst schraubt sich der Kern ganz heraus.
- Bei sehr heißem Wasser entlüften: Etwas abkühlen lassen, sonst besteht Verbrühungsgefahr.
- Nach dem Entlüften den Anlagendruck nicht kontrollieren: Jeder entlüftete Heizkörper senkt den Druck geringfügig.
- Entlüftungsventil an der zentralen Heizungsanlage selbst öffnen: Das gehört in die Hände des Fachbetriebs.
Nach dem Entlüften mehrerer Heizkörper sinkt der Wasserdruck in der Anlage spürbar. Ein Blick auf das Manometer am Heizkessel oder an der Übergabestation lohnt sich deshalb im Anschluss immer – liegt der Druck zu niedrig, muss Wasser nachgefüllt werden, wie im Beitrag zum Heizungsdruck beschrieben.
Wann ein Fachbetrieb übernehmen muss
Das Entlüften einzelner Heizkörper über das kleine Ventil dürfen Bewohnerinnen und Bewohner selbst vornehmen. Anders sieht es an der zentralen Heizungsanlage aus: Arbeiten am Heizkessel, an der Umwälzpumpe, am Ausdehnungsgefäß oder an Gasleitungen führen ausschließlich zugelassene Fachbetriebe durch. Tritt regelmäßig Luft in denselben Heizkörpern auf, obwohl regelmäßig entlüftet wird, oder sinkt der Anlagendruck ständig, deutet das auf eine undichte Stelle hin, die fachlich untersucht werden sollte.
Größere Wohnanlagen mit vielen Aufgängen profitieren zusätzlich von einer wiederkehrenden Heizungskontrolle: Geschultes Personal erfasst dabei, welche Heizkörper wiederholt Luft ziehen, und meldet auffällige Muster an die Hausverwaltung, bevor daraus ein größerer Ausfall wird. Eingriffe an der Anlage selbst bleiben dabei stets dem Fachbetrieb vorbehalten.
Für Hausverwaltungen, die viele Objekte gleichzeitig betreuen, bietet sich eine feste Objektbegehung an, bei der Auffälligkeiten an der Haustechnik systematisch dokumentiert werden. So lässt sich nachvollziehen, welcher Heizkörper wie oft entlüftet werden musste, und ein Muster für tiefere Ursachen wird sichtbar. Ein häufiger Fall aus der Praxis: In einem Aufgang mit zehn Wohnungen fällt bei der Begehung auf, dass ausgerechnet die obersten Stockwerke im Herbst regelmäßig gluckern, während untere Etagen davon verschont bleiben – ein typisches Zeichen für Luft, die sich in den höchstgelegenen Heizkörpern eines Steigstrangs sammelt und dort zuerst auffällt.
Kurz beantwortet
Wie oft sollte ich meine Heizkörper entlüften?
In der Regel reicht es, zu Beginn der Heizsaison im Herbst einmal alle Heizkörper zu prüfen und bei Bedarf zu entlüften. Muss ein einzelner Heizkörper mehrmals im Jahr entlüftet werden, deutet das eher auf eine undichte Stelle als auf normales Verhalten hin.
Kann ich beim Entlüften etwas kaputt machen?
Solange Sie das Ventil nur eine Vierteldrehung öffnen und nicht mit Gewalt weiterdrehen, ist das Risiko gering. Bei Widerstand oder wenn sich das Ventil gar nicht bewegt, sollten Sie es nicht erzwingen.
Warum tropft nach dem Entlüften noch etwas Wasser?
Das ist normal, solange es sich nur um wenige Tropfen handelt. Läuft dauerhaft Wasser nach, sitzt das Ventil nicht richtig – in diesem Fall vorsichtig nachziehen oder Fachbetrieb informieren.
Muss ich nach dem Entlüften Wasser nachfüllen?
Bei einem einzelnen Heizkörper meist nicht spürbar. Wurden mehrere Heizkörper entlüftet, lohnt sich ein Blick auf das Manometer der Anlage, da der Druck insgesamt sinkt.
Ist Luft im Heizkörper gefährlich?
Nein, Luft im Heizkörper ist kein Sicherheitsrisiko, sondern mindert lediglich die Heizleistung an dieser Stelle und kann das bekannte Gluckern verursachen.
Warum gluckert es besonders im Herbst?
Nach dem Sommer, wenn die Heizung über Monate kaum lief, sammelt sich häufiger Luft in den Heizkörpern als während der laufenden Heizsaison. Ein einmaliges Entlüften zu Beginn der kalten Jahreszeit behebt das in den meisten Fällen zuverlässig.
Brauche ich für jeden Heizkörpertyp denselben Schlüssel?
Bei den meisten modernen Flachheizkörpern passt der verbreitete Vierkantschlüssel. Ältere Modelle, insbesondere gusseiserne Heizkörper in Altbauten, können abweichende Ventilformen haben, bei denen ein Schlitzschraubendreher oder ein anderes Werkzeug nötig ist.
Was tue ich, wenn nach dem Entlüften weiterhin ein Gluckern zu hören ist?
Bleibt das Geräusch bestehen, hat sich möglicherweise noch nicht alle Luft aus dem Heizkörper gelöst. Ein zweiter Entlüftungsversuch nach einigen Stunden Betrieb schafft in solchen Fällen häufig Abhilfe, da sich weitere Luftreste erst nachträglich am höchsten Punkt sammeln.
Sollte ich den Entlüftungsvorgang notieren?
Für einzelne Wohnungen ist das nicht nötig. In Mehrfamilienhäusern mit vielen Aufgängen hilft eine kurze Notiz, welcher Heizkörper wann entlüftet wurde, um wiederkehrende Auffälligkeiten an einzelnen Heizkörpern über die Zeit erkennen zu können.
Kann ich beim Entlüften den falschen Heizkörper erwischen und Schaden anrichten?
Nein, das eigentliche Risiko besteht höchstens darin, das kleine Ventil zu weit aufzudrehen. Solange Sie behutsam vorgehen und nur eine Vierteldrehung öffnen, lässt sich beim Entlüften eines einzelnen Heizkörpers kaum etwas falsch machen.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der Praxis unseres Hausmeisterdienstes in Berliner Wohnanlagen, Höfen und Gewerbeobjekten. Hinweise zu Recht, Steuern oder Sicherheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.




