Ein Igel, der abends durch den Garten schnuppert, gehört zu den beliebtesten tierischen Besuchern überhaupt – und steht dabei unter besonderem gesetzlichem Schutz. Wer ihm wirklich helfen möchte, muss dafür meist gar nicht viel tun: Ein naturnaher Garten mit Rückzugsmöglichkeiten, vorsichtiges Mähen und der Verzicht auf ungeeignetes Futter reichen in aller Regel schon aus, damit sich Igel wohlfühlen und einen Winterplatz finden.

Futterangebot im Spätherbst

Nur in Ausnahmefällen, etwa bei sichtbar untergewichtigen Tieren kurz vor dem ersten Frost, kann eine gezielte, zeitlich begrenzte Zufütterung sinnvoll sein. Geeignet sind spezielles Igeltrockenfutter oder ungewürztes Katzennassfutter, jeweils in kleinen Portionen und an einem für Katzen schwer zugänglichen Ort, damit nicht versehentlich andere Tiere das Futter wegfressen.

Gesetzlicher Schutzstatus

Der Igel steht in Deutschland unter besonderem gesetzlichem Schutz, ein mutwilliges Fangen, Verletzen oder Töten ist verboten. Auch Eingriffe in seinen Lebensraum, etwa das plötzliche Entfernen eines seit Jahren genutzten Unterschlupfs, sollten mit Bedacht erfolgen und wenn möglich außerhalb der Zeiten stattfinden, in denen Jungtiere aufgezogen werden oder ein Winterschlaf bereits begonnen hat.

Gartenteiche mit flacher Ausstiegsstelle

Ein offener Gartenteich mit steilen, glatten Rändern kann für Igel zur tödlichen Falle werden, da sie einmal hineingefallen oft nicht mehr selbstständig herausklettern können. Eine flache Ausstiegsstelle, etwa in Form einer Rampe aus grobem Material oder eines eingelegten Bretts, entschärft dieses Risiko deutlich und kommt nebenbei auch anderen kleinen Gartenbewohnern zugute.

Winterschlaf und ungestörte Ruhe

Zwischen Spätherbst und dem zeitigen Frühjahr verfallen Igel in einen mehrmonatigen Winterschlaf, während dessen sie extrem empfindlich auf Störungen reagieren. Ein plötzliches Aufwecken kostet die Tiere wertvolle Energiereserven und kann im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Wer im Winter einen Laubhaufen im Garten umschichten oder ein Kompostgitter bewegen möchte, sollte deshalb vorher genau prüfen, ob sich darin bereits ein schlafender Igel eingerichtet hat.

Deckung, Laubhaufen und Durchschlupf

Igel brauchen vor allem Deckung und ungestörte Rückzugsorte. Ein Laub- oder Reisighaufen in einer ruhigen Gartenecke, dichtes Gebüsch statt komplett freigeräumter Beete und ein kleiner Durchschlupf im Zaun zum Nachbargarten erleichtern ihnen die Futtersuche und die Wahl eines geeigneten Winterquartiers erheblich. Auch der bewusste Verzicht auf Pestizide hilft indirekt, da Igel sich unter anderem von Insekten und Schnecken ernähren, die dadurch nicht dezimiert werden.

Schritt für Schritt für mehr Igelschutz

  1. Laubhaufen stehen lassen, besonders in ruhigen Ecken des Gartens, wo sie als Winterquartier dienen können.
  2. Vorsichtig mähen und Ränder kontrollieren. Vor dem Mähen hohe Bereiche kurz auf Igel absuchen, besonders am Abend und frühen Morgen.
  3. Durchschlupf ermöglichen. Ein kleiner Spalt im Zaun erlaubt Igeln, größere Reviere zu durchstreifen.
  4. Gefahrenquellen entschärfen. Offene Kellerschächte, Pools oder steile Teichränder sichern, aus denen Igel nicht mehr herauskommen.
  5. Nur im Ausnahmefall füttern, etwa bei sichtbar geschwächten Tieren im Spätherbst, und dann mit geeignetem Futter statt Milch.
Häufige Fehler
  • Igeln Milch anbieten – das verursacht bei ihnen Verdauungsprobleme und schadet mehr, als es hilft.
  • Laub und Reisig komplett aus dem Garten entfernen, obwohl gerade solche Haufen als Winterquartier dienen.
  • Rasenmäharbeiten in der Dämmerung ohne vorherige Kontrolle des Bereichs durchführen.

Hilfsbedürftig oder gesund? Fundtiere richtig einschätzen

Ein tagsüber aktiver, taumelnder oder sichtbar verletzter Igel ist ein Grund zur genaueren Beobachtung, ein gesunder, nachts aktiver Igel dagegen nicht. Nur bei erkennbarer Hilfsbedürftigkeit, etwa Verletzungen oder deutlichem Untergewicht vor dem Winter, ist eine fachkundige Stelle die richtige Anlaufadresse; ein vorschnelles Einsammeln gesunder Tiere ist weder nötig noch sinnvoll.

Begrünte Innenhöfe in Berliner Wohnlagen

Auch in dicht bebauten Berliner Wohnlagen sind Igel keine Seltenheit, sofern zusammenhängende Grünflächen, Hinterhöfe mit Gebüsch oder Kleingärten in der Nähe liegen. Gerade in Blockrandbebauungen mit begrünten Innenhöfen profitieren Igel von naturnah gestalteten Ecken, während komplett versiegelte, aufgeräumte Höfe ihnen kaum Lebensraum bieten. Ein kleiner naturnaher Streifen im sonst gepflegten Innenhof kann hier bereits einen spürbaren Unterschied machen.

Zusammenspiel mit anderen Gartenbewohnern

Igel teilen sich ihren Lebensraum oft mit anderen Wildtieren wie Füchsen, die gelegentlich denselben Garten durchstreifen. Ein natürlich gestalteter Garten mit Deckung und wenig Chemieeinsatz kommt in der Regel mehreren Arten gleichzeitig zugute, ohne dass sich die Tiere gegenseitig in die Quere kommen.

Unser Beitrag bei Laub und Rasen

Bei der Gartenpflege lassen wir auf Wunsch bewusst Rückzugsecken mit Laub oder Reisig bestehen, statt den Garten komplett aufzuräumen. Die Laubbeseitigung planen wir so, dass geeignete Bereiche für Winterquartiere erhalten bleiben können. Bei der Rasenpflege achten wir vor dem Mähen auf mögliche Verstecke, und in Innenhöfen achten wir bei der Hof- und Wegepflege zusätzlich darauf, Gefahrenstellen wie offene Schächte frühzeitig zu erkennen.

Häufige Fragen

Darf ich Igeln Milch geben?

Nein, Milch verursacht bei Igeln Verdauungsprobleme; falls überhaupt gefüttert wird, eignet sich spezielles Igelfutter besser.

Sollte ich Laub im Garten komplett entfernen?

Nicht überall – einzelne Laub- oder Reisighaufen in ruhigen Ecken bieten Igeln ein wichtiges Winterquartier.

Woran erkenne ich einen hilfsbedürftigen Igel?

An auffälligem Taumeln, Tagaktivität oder sichtbaren Verletzungen; ein gesunder, nachts aktiver Igel braucht keine Hilfe.

Wie schütze ich Igel beim Rasenmähen?

Vor dem Mähen hohe Bereiche kurz absuchen, besonders in der Dämmerung, wenn Igel aktiv werden.

Kommen Igel auch in dicht bebauten Berliner Wohnlagen vor?

Ja, sofern begrünte Innenhöfe, Hinterhöfe mit Gebüsch oder nahe Kleingärten als Lebensraum zur Verfügung stehen.

Vertragen sich Igel mit anderen Gartenbewohnern wie Füchsen?

In der Regel ja; ein naturnah gestalteter Garten bietet meist ausreichend Rückzugsraum für mehrere Arten gleichzeitig.

Sind Gartenteiche für Igel gefährlich?

Steile, glatte Ränder können zur Falle werden; eine flache Ausstiegsstelle entschärft dieses Risiko deutlich.

Darf ich einen schlafenden Igel im Winter aufwecken?

Nein, das sollte unbedingt vermieden werden, da es wertvolle Energiereserven kostet und das Tier gefährden kann.

Darf ich einem Igel im Spätherbst zufüttern?

Nur bei sichtbar untergewichtigen Tieren kurz vor dem Frost, mit geeignetem Futter statt Milch oder Brot.

Wie erkenne ich, ob ein Igel gesund ist?

Ein nachts aktives, sich zügig fortbewegendes Tier ohne sichtbare Verletzungen gilt in der Regel als gesund.

Wie viele Junge bekommt ein Igel im Jahr?

Meist einen, seltener zwei Würfe, abhängig von Witterung und Nahrungsangebot im jeweiligen Jahr.

Sind Igel tagsüber grundsätzlich krank?

Nicht zwingend, aber in Kombination mit Taumeln oder Apathie ist es ein Grund zur genaueren Beobachtung.

Wie lange dauert der Winterschlaf eines Igels?

Meist mehrere Monate, abhängig von Witterung und dem individuellen Energiereserven des Tieres.

Darf ich einen Igel-Unterschlupf im Garten selbst bauen?

Ja, ein einfacher Laub- oder Reisighaufen in einer ruhigen Ecke genügt den Tieren häufig völlig.

Sind Gartenchemikalien für Igel schädlich?

Ja, sie können indirekt schaden, etwa über vergiftete Insekten und Schnecken als Nahrung.

Verlassen Igel bei Störung ihr Winterquartier?

Möglich, was sie unnötig Energie kostet; deshalb sollten Laubhaufen im Winter nach Möglichkeit unberührt bleiben.

Wie erkenne ich einen geeigneten Standort für einen Laubhaufen?

Eine ruhige, wenig begangene Gartenecke mit etwas Deckung eignet sich in der Regel am besten.

Sind Igel für Haustiere gefährlich?

Nein, ein gesunder Igel geht Konfrontationen mit Katzen oder Hunden in der Regel aus dem Weg.

Wie oft sollte ich den Garten auf Igel prüfen, bevor ich mähe?

Vor jedem Mähtermin ein kurzer Blick in hohe Bereiche und unter Sträucher genügt meist völlig.

Kann ich Igeln ein künstliches Igelhaus aufstellen?

Ja, ein einfaches Igelhaus mit trockener Einstreu ergänzt natürliche Laubhaufen gut, besonders in aufgeräumten Gärten.

Sollte der Standort eines Igelhauses beschattet sein?

Ja, ein schattiger, windgeschützter Platz abseits von Laufwegen wird von Igeln deutlich lieber angenommen.

Wie oft sollte ein Igelhaus gereinigt werden?

Einmal jährlich außerhalb der Nutzungszeit genügt in aller Regel, um es hygienisch in Ordnung zu halten.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der Praxis unseres Hausmeisterdienstes in Berliner Wohnanlagen, Höfen und Gewerbeobjekten. Hinweise zu Recht, Steuern oder Sicherheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.