Ein stehen gebliebener Aufzug ist für die betroffene Person meist erst einmal beunruhigend, in aller Regel aber keine akute Gefahrensituation. Moderne Aufzugsanlagen sind so konzipiert, dass die Kabine bei einer Störung sicher zum Stillstand kommt und ausreichend Luft vorhanden bleibt – wichtig ist vor allem, richtig auf sich aufmerksam zu machen.
Die richtigen Schritte in der Kabine
- Ruhe bewahren. Ein Stillstand ist unangenehm, aber in aller Regel keine unmittelbare Gefahr für Leib und Leben.
- Notrufknopf oder Sprechverbindung nutzen. Aufzüge sind verpflichtend mit einer Notrufeinrichtung ausgestattet, die eine Zwei-Wege-Kommunikation mit einer rund um die Uhr besetzten Notrufzentrale ermöglicht.
- Klar mitteilen, dass die Kabine stehen geblieben ist, wie viele Personen betroffen sind und ob eine gesundheitliche Notlage vorliegt.
- Auf Rückmeldung warten und die Anweisungen der Notrufzentrale befolgen.
- Türen nicht selbst öffnen und nicht versuchen, die Kabine eigenständig zu verlassen, auch wenn ein Türspalt sichtbar ist.
- Nicht an der Kabinendecke oder an Notluken hantieren, diese sind ausschließlich für den Rettungseinsatz durch Fachpersonal vorgesehen.
- Bei fehlender Reaktion über den Notrufknopf: Falls vorhanden und erreichbar, per Mobiltelefon die im Fahrkorb ausgehängte Notrufnummer oder den Notruf 112 wählen.
Warum Aussteigen auf eigene Faust gefährlich ist
Auch wenn die Türen einen Spalt weit aufgehen lassen, kann die Kabine zwischen zwei Stockwerken stehen, sodass beim Aussteigen die Gefahr eines Sturzes in den Schacht besteht. Zudem kann sich der Aufzug während eines eigenmächtigen Ausstiegsversuchs unerwartet wieder in Bewegung setzen. Das Öffnen der Türen und die kontrollierte Befreiung ist deshalb ausschließlich Aufgabe des Rettungsdienstes beziehungsweise des Aufzugsnotdienstes.
| Verhalten | Richtig | Falsch |
|---|---|---|
| Erste Reaktion | Ruhe bewahren, Notrufknopf drücken | Panisch an der Tür rütteln |
| Kommunikation | Über Notrufsprechanlage Kontakt halten | Laut um Hilfe schreien statt Notruf zu nutzen |
| Türen | Auf Fachpersonal warten | Türen selbst aufhebeln |
| Bei Wartezeit | Ruhig sitzen oder stehen bleiben | Versuchen, durch die Decke zu klettern |
- Versuch, die Kabinentür mit Gewalt zu öffnen
- Klettern durch eine Notluke in der Decke ohne Fachpersonal
- Aussteigen bei einem sichtbaren Türspalt, ohne zu wissen, auf welcher Höhe die Kabine steht
- Ignorieren der Notrufsprechanlage, weil man "sowieso gleich weiterfährt"
Besonderheiten bei älteren Aufzugsanlagen
Ältere Aufzugsanlagen ohne moderne Zwei-Wege-Notrufsprechanlage verfügen mitunter nur über ein einfaches Alarmsignal, das eine Störung außerhalb der Kabine hörbar macht, ohne direkte Sprachverbindung. In solchen Fällen ist es umso wichtiger, den Alarmknopf so lange wie nötig zu betätigen und danach ruhig auf eine Reaktion zu warten, statt vorschnell eigene Maßnahmen zu ergreifen. Bei modernen Nachrüstungen wird eine echte Zwei-Wege-Kommunikation heute in der Regel als Standard verbaut.
Stillstand als Zeichen funktionierender Sicherheitstechnik
So unangenehm die Situation subjektiv wirkt, technisch gesehen ist ein stehen gebliebener Aufzug in den allermeisten Fällen lediglich eine ausgelöste Sicherheitsabschaltung, die genau das verhindern soll, wofür Aufzüge konstruiert sind: ein unkontrolliertes Verhalten der Kabine. Die Sicherheitstechnik moderner Aufzüge sorgt dafür, dass die Kabine im Zweifel lieber stehen bleibt, als ein Risiko einzugehen, was diesen Stillstand paradoxerweise zu einem Zeichen funktionierender statt versagender Technik macht.
Platzangst und Panik: ruhig atmen, gemeinsam warten
Gerade bei Personen mit Platzangst kann ein stehen gebliebener Aufzug zusätzlich belastend wirken. Ruhiges, langsames Atmen und das bewusste Ansprechen der Notrufzentrale, sobald die Verbindung steht, hilft vielen Betroffenen, die Situation besser auszuhalten. Sind mehrere Personen in der Kabine, kann gegenseitige Beruhigung ebenfalls entlastend wirken, bis die Befreiung durch den Fachbetrieb erfolgt. Hilfreich kann es auch sein, sich hinzusetzen, einen Schluck Wasser zu trinken oder mit Angehörigen per Handy zu sprechen, sofern in der Kabine Empfang besteht.
Was im Hintergrund passiert
Nach der Meldung über die Notrufeinrichtung alarmiert die Notrufzentrale den zuständigen Aufzugsnotdienst, der die Kabine fachgerecht zum nächsten Stockwerk bringt oder die Türen kontrolliert öffnet. Je nach Ursache – etwa ein Stromausfall, eine Sicherheitsabschaltung oder ein technischer Defekt – kann dies unterschiedlich lange dauern. Wichtig ist, in dieser Zeit die Verbindung zur Notrufzentrale möglichst aufrechtzuerhalten oder auf Rückmeldung zu warten.
Unsere Rolle rund um die Aufzugsbetreuung
Im Rahmen der Aufzugsbetreuung koordinieren wir für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften den Kontakt zum Aufzugswartungsunternehmen, begleiten Störungsmeldungen und dokumentieren Vorfälle. Die eigentliche technische Prüfung und Wartung des Aufzugs bleibt gesetzlich einer zugelassenen Prüforganisation beziehungsweise dem Wartungsunternehmen vorbehalten – wir übernehmen keine Eingriffe an der Aufzugstechnik selbst. Für dringende Anliegen außerhalb der regulären Geschäftszeiten steht bei bestehender Vereinbarung unser Notdienst zur Verfügung, bei umfassenderen technischen Zwischenfällen greift zusätzlich unser Havariemanagement.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Befreiung aus dem Aufzug in der Regel?
Das hängt von Ursache, Uhrzeit und Erreichbarkeit des Notdienstes ab und lässt sich pauschal nicht seriös beziffern. Wichtig ist, während der Wartezeit ruhig zu bleiben und den Kontakt zur Notrufzentrale zu halten.
Bekomme ich in der Kabine genug Luft?
Aufzugskabinen sind so konstruiert, dass ausreichend Luftaustausch auch im Stillstand gewährleistet ist. Ein akutes Ersticken ist bei modernen Anlagen nicht zu erwarten.
Was, wenn der Notrufknopf nicht funktioniert?
In dem seltenen Fall, dass keine Rückmeldung erfolgt, kann bei vorhandenem Mobilfunkempfang die im Fahrkorb ausgehängte Notrufnummer oder der Notruf 112 gewählt werden.
Muss jeder Aufzug einen 24-Stunden-Notruf haben?
Für den Personenverkehr genutzte Aufzüge sind in der Regel verpflichtend mit einer entsprechenden Notrufeinrichtung auszustatten. Details dazu prüft die zuständige Prüforganisation im Rahmen der Aufzugsprüfung.
Was tue ich, wenn ich beim Steckenbleiben allein und ohne Mobiltelefon bin?
Auch ohne Mobiltelefon bleibt die im Aufzug fest installierte Notrufsprechanlage die richtige und in aller Regel ausreichende Verbindung zur Notrufzentrale, unabhängig vom eigenen Mobilfunkempfang in der Kabine.
Wie verhalte ich mich, wenn ich von außen sehe, dass jemand im Aufzug festsitzt?
Sprechen Sie die betroffene Person kurz an, um sie zu beruhigen, und weisen Sie sie auf die Notrufsprechanlage in der Kabine hin, falls sie diese noch nicht genutzt hat. Eigene Versuche, die Tür zu öffnen, sollten auch von außen unterbleiben.
Was passiert, wenn während der Befreiung erneut ein Stromausfall auftritt?
Der Aufzugsnotdienst ist auf solche Situationen eingestellt und verfügt über eigene Verfahren, um die Kabine auch ohne reguläre Stromversorgung sicher zu erreichen und zu öffnen. Für die betroffene Person ändert sich am richtigen Verhalten dadurch nichts: weiter ruhig bleiben und auf die Fachkräfte warten.
Gibt es Unterschiede zwischen Personenaufzügen und Lastenaufzügen bei der Notrufeinrichtung?
Auch Lastenaufzüge, die von Personen mitgenutzt werden, benötigen eine funktionierende Notrufeinrichtung. Reine Lastenaufzüge ohne Personenbeförderung unterliegen teils anderen Anforderungen, worüber die zuständige Prüforganisation im Einzelfall Auskunft gibt.
Muss ich nach einem Stillstand einen Vorfall irgendwo melden?
Sinnvoll ist eine kurze Rückmeldung an die Hausverwaltung oder den betreuenden Hausmeisterdienst, auch wenn die Befreiung bereits erfolgreich abgeschlossen wurde. So bleibt erkennbar, ob es sich eher um einen einmaligen Vorfall oder um ein wiederkehrendes technisches Problem handelt.
Kann sich die Kabine während der Befreiung plötzlich unerwartet bewegen?
Während des gesamten Befreiungsvorgangs sorgt der Aufzugsnotdienst durch geeignete Sicherungsmaßnahmen dafür, dass sich die Kabine nicht unkontrolliert bewegt. Genau deshalb ist es wichtig, ausschließlich den Anweisungen der Fachkräfte zu folgen und keine eigenen Handgriffe an der Technik vorzunehmen.
Wie verhalten sich Kinder am besten in einem stehen gebliebenen Aufzug?
Am wichtigsten ist, dass eine erwachsene Begleitperson ruhig bleibt und dem Kind erklärt, dass Hilfe unterwegs ist. Kinder orientieren sich in einer solchen Situation stark am Verhalten der Erwachsenen, weshalb sichtbare Ruhe besonders wirkungsvoll beruhigt und unnötige Aufregung vermeidet.
Ist es sinnvoll, sich während der Wartezeit hinzusetzen?
Sofern die Kabine das zulässt, kann Sitzen entspannter sein als längeres Stehen, insbesondere wenn die Wartezeit etwas länger dauert. Wichtiger als die Körperhaltung bleibt aber, ruhig zu bleiben und die Verbindung zur Notrufzentrale nicht unnötig zu unterbrechen.
Über diesen Beitrag
Geschrieben aus der Praxis unseres Hausmeisterdienstes in Berliner Wohnanlagen, Höfen und Gewerbeobjekten. Hinweise zu Recht, Steuern oder Sicherheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.




