Im Mehrfamilienhaus lassen sich Heizkosten vor allem an drei Stellen senken: durch einen fachgerecht durchgeführten hydraulischen Abgleich der gesamten Anlage, durch richtiges Lüften und Heizen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie durch frei zugängliche, ungehinderte Heizkörper. Keine dieser Maßnahmen erfordert große Investitionen, wirkt sich aber messbar auf den Verbrauch aus.

Anders als bei einzelnen technischen Defekten, bei denen meist eine einzelne Ursache verantwortlich ist, summieren sich Heizkosten aus vielen kleinen Faktoren im Alltag der gesamten Hausgemeinschaft. Deshalb wirkt keine einzelne Maßnahme für sich allein Wunder – erst das Zusammenspiel aus technischer Optimierung der Anlage und bewusstem Verhalten aller Bewohnerinnen und Bewohner führt über eine ganze Heizperiode zu einer spürbaren Ersparnis in der Nebenkostenabrechnung. In Anlagen mit besonders vielen Wohneinheiten zahlt es sich deshalb aus, Heizkosten nicht nur individuell, sondern auch gemeinsam über die Hausverwaltung anzugehen.

Warum sich Einsparungen im ganzen Haus auszahlen

Da die Heizungsanlage in den meisten Mehrfamilienhäusern zentral betrieben wird, wirken sich technische Optimierungen wie der hydraulische Abgleich auf alle Wohnungen gleichzeitig aus, während individuelles Verhalten wie Lüften und Heizkörperfreihalten in erster Linie die jeweils eigene Abrechnung beeinflusst. Beide Ebenen ergänzen sich: Eine technisch gut eingestellte Anlage schafft die Grundlage, das richtige Verhalten im Alltag holt daraus den größtmöglichen Effekt.

Maßnahmen mit der größten Wirkung

Maßnahme Wer ist zuständig Effekt
Hydraulischer Abgleich Fachbetrieb Gleichmäßige Wärme, geringerer Energieverbrauch
Heizkörper regelmäßig entlüften Bewohner selbst Volle Heizleistung statt Luftpolster
Richtiges Stoßlüften statt Dauerkipp Bewohner selbst Weniger Wärmeverlust, weniger Feuchtigkeit
Heizkörper freihalten Bewohner selbst Wärme gelangt ungehindert in den Raum
Thermostat passend zur Nutzung stellen Bewohner selbst Kein unnötiges Überheizen leerer Räume
Dichtungen an Fenstern und Türen prüfen Hausmeisterdienst Weniger Zugluft und Wärmeverlust
Verbrauch über Heizkostenverteiler beobachten Hausverwaltung Frühzeitiges Erkennen von Auffälligkeiten
Thermostatköpfe auf festsitzenden Stift prüfen Bewohner selbst Volle Heizleistung statt gedrosseltem Ventil

Was Bewohnerinnen und Bewohner selbst tun können

Berlin-Bezug: Altbau und Nachkriegsbau unterscheiden. In gut gedämmten Neubauten oder sanierten Gebäuden wirken Lüftungs- und Heizgewohnheiten meist schneller spürbar als in unsanierten Altbauten mit hohen Räumen und einfach verglasten Fenstern, wie sie in vielen Berliner Kiezen noch verbreitet sind. In solchen Gebäuden ist der hydraulische Abgleich besonders wirkungsvoll, da die Leitungswege oft länger und ungleichmäßiger verlaufen als in kompakten Neubauten.

Stoßlüften statt Kipplüften. Mehrmals täglich für wenige Minuten die Fenster ganz öffnen und dabei die Heizkörper herunterdrehen, senkt den Wärmeverlust deutlich gegenüber dauerhaft gekippten Fenstern, bei denen die Wände auskühlen und die Heizung ständig nachheizt.

Heizkörper freihalten. Sofas, schwere Vorhänge oder Verkleidungen direkt vor dem Heizkörper behindern die Luftzirkulation und damit die Wärmeabgabe in den Raum, selbst wenn der Heizkörper selbst heiß ist.

Regelmäßig entlüften. Luft im Heizkörper mindert die Heizleistung an genau dieser Stelle. Eine kurze Anleitung dazu steht im Beitrag Heizung entlüften.

Thermostat der Nutzung anpassen. Ein selten genutztes Zimmer muss nicht auf höchster Stufe beheizt werden. Eine Grundtemperatur, etwa Stufe 2, verhindert Auskühlen und Feuchtigkeitsschäden, ohne unnötig Energie zu verbrauchen.

Nachtabsenkung sinnvoll nutzen. Wer die Temperatur nachts moderat absenkt, etwa um ein bis zwei Grad, spart über die gesamte Heizperiode spürbar Energie, ohne dass es beim Aufwachen unangenehm kalt wird. Eine zu starke Absenkung kann dagegen dazu führen, dass die Anlage am Morgen deutlich mehr Energie für das erneute Aufheizen benötigt.

Was auf Ebene der gesamten Anlage wirkt

Der wirkungsvollste Einzelschritt für das gesamte Gebäude ist der hydraulische Abgleich: Dabei stellt ein Fachbetrieb die Ventile so ein, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge erhält, die er für seine Größe und Lage benötigt. Ohne Abgleich werden nahe am Heizkessel liegende Heizkörper oft überversorgt, während weiter entfernte zu wenig warmes Wasser bekommen und die Umwälzpumpe stärker als nötig arbeiten muss.

Auch die Kontrolle von Fensterdichtungen, Kellertüren und Treppenhausfenstern zahlt sich aus: Undichte Stellen lassen kalte Luft eindringen, wodurch die Heizung in angrenzenden Räumen stärker arbeitet. Solche Kontrollen lassen sich gut mit einer regelmäßigen Haustechnik-Kontrolle verbinden, bei der Auffälligkeiten dokumentiert und an die Hausverwaltung gemeldet werden.

Häufige Denkfehler beim Energiesparen
  • Die Heizung komplett abschalten, um zu sparen: Das kühlt Wände und Wasserleitungen aus und kann zu Feuchtigkeitsschäden oder eingefrorenen Rohren führen.
  • Fenster dauerhaft gekippt lassen: Kostet über den Tag mehr Energie als kurzes, kräftiges Stoßlüften.
  • Thermostatköpfe zudecken oder verstellen: Der eingebaute Fühler misst dann die falsche Temperatur und die Heizung arbeitet ungenau.
  • Nur einzelne Wohnungen optimieren: Der größte Effekt entsteht, wenn Hausverwaltung und Bewohnerschaft gemeinsam vorgehen.

Verhalten im Alltag richtig einordnen

Nicht jede Sparmaßnahme, die im Internet kursiert, hält tatsächlich, was sie verspricht. Möbel bewusst nah an die Außenwand zu rücken etwa, um angeblich Heizfläche zu sparen, begünstigt eher Feuchtigkeit und Schimmelbildung, als dass es spürbar Energie einspart. Ebenso bringt ein dauerhaft auf Minimalstufe gedrehtes Thermostat in einem selten genutzten Zimmer über die Heizperiode oft weniger Ersparnis, als es an Risiko für kalte, feuchte Wände mit sich bringt. Eine moderate Grundtemperatur ist in den meisten Fällen die sinnvollere Wahl.

Was sich in der Nebenkostenabrechnung zeigt

Wer über mehrere Jahre die eigene Heizkostenabrechnung vergleicht, sieht meist recht deutlich, ob Maßnahmen wie ein hydraulischer Abgleich oder verändertes Lüftungsverhalten tatsächlich wirken. Ein plötzlicher Anstieg trotz gleichbleibendem Verhalten kann dagegen auf ein technisches Problem hindeuten, etwa Luft in einzelnen Heizkörpern oder eine seit Jahren nicht mehr überprüfte Ventileinstellung. Auch die kleinen Anzeigen an jedem Heizkörper, die Heizkostenverteiler, liefern dazu erste Hinweise, mehr dazu im Beitrag Heizkostenverteiler verstehen.

Was ein Hausmeisterdienst beitragen kann

Für Hausverwaltungen und Eigentümergemeinschaften lohnt sich eine laufende Objektbetreuung, bei der technische Auffälligkeiten an Heizung, Fenstern und Türen regelmäßig erfasst werden, bevor sie zu spürbaren Mehrkosten führen. Die eigentliche Durchführung des hydraulischen Abgleichs oder Eingriffe an der Heizungsanlage bleiben dabei stets Aufgabe des zuständigen Fachbetriebs; wir koordinieren die Termine und dokumentieren die Ergebnisse für die Nebenkostenabrechnung.

Wie stark sich einzelne Maßnahmen tatsächlich auszahlen, hängt außerdem von der baulichen Dämmung des jeweiligen Gebäudes ab: Eine gute Dämmung senkt den grundsätzlichen Wärmebedarf, lässt sich aber von Bewohnerinnen und Bewohnern selbst kaum beeinflussen. Verhaltensbedingte Schritte wie Lüften, freie Heizkörper und ein funktionierender hydraulischer Abgleich wirken dagegen unabhängig vom baulichen Zustand eines Hauses und lohnen sich deshalb überall gleichermaßen.

Häufige Fragen

Lohnt sich ein hydraulischer Abgleich auch in Altbauten?

Ja, gerade in Altbauten mit langen, unterschiedlich verlaufenden Leitungswegen zeigt der Abgleich häufig deutliche Effekte, da hier die Verteilung ohne Abgleich besonders ungleichmäßig ausfällt.

Wie oft sollte gelüftet werden?

Als Richtwert gelten mehrmals täglich wenige Minuten Stoßlüften, angepasst an Jahreszeit und Personenzahl im Haushalt. Im Winter reichen meist kürzere Intervalle als im Sommer.

Bringt eine Nachtabsenkung wirklich etwas?

In vielen Fällen ja, da weniger geheizt wird, während die Wohnung ohnehin genutzt wird, etwa nachts. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt von der Dämmung des Gebäudes ab.

Wer zahlt den hydraulischen Abgleich in Mietshäusern?

Das organisiert in der Regel die Hausverwaltung im Rahmen der Instandhaltung der Anlage. Die Umlagefähigkeit auf die Nebenkosten kann je nach Mietvertrag und Maßnahme unterschiedlich ausfallen; verlässliche Auskunft dazu geben Mieterberatungsstellen oder ein Fachanwalt für Mietrecht, keine Rechtsberatung leistet dieser Ratgeberbeitrag.

Spart ein niedrigerer Heizungsdruck Energie?

Nein, ein zu niedriger Druck führt eher zu ungleichmäßiger Wärmeverteilung und kalten Heizkörpern, nicht zu echter Einsparung. Der vom Hersteller vorgegebene Druck sollte eingehalten werden.

Merkt man den Effekt eines hydraulischen Abgleichs sofort?

Meist zeigt sich die gleichmäßigere Wärmeverteilung schon innerhalb weniger Tage nach der Einstellung, spürbar vor allem in vorher besonders kühlen Räumen. Der Effekt auf die Heizkostenabrechnung wird oft erst über die gesamte folgende Heizperiode sichtbar.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der Praxis unseres Hausmeisterdienstes in Berliner Wohnanlagen, Höfen und Gewerbeobjekten. Hinweise zu Recht, Steuern oder Sicherheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.