Ein Wespennest unter dem Dachüberstand, im Rollladenkasten oder am Balkon löst bei vielen Bewohnern sofort den Wunsch aus, es schnellstmöglich loszuwerden. Rechtlich ist das aber nicht so einfach möglich, denn Wespen zählen zu den besonders geschützten Arten nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Ein Nest darf nur entfernt oder umgesiedelt werden, wenn ein vernünftiger Grund vorliegt – reine Unbequemlichkeit reicht dafür meist nicht aus. Liegt ein solcher Grund vor, etwa weil das Nest unmittelbar an einer Haustür, einem Kinderzimmerfenster oder einem stark frequentierten Weg sitzt, übernimmt die eigentliche Entfernung eine spezialisierte Fachfirma.

Wann ein Eingriff überhaupt infrage kommt

Nicht jedes Nest am Haus ist ein Problem. Wespen fliegen in der Regel gezielt zu ihrem Bau und ignorieren Menschen, solange sie nicht bedrängt oder das Nest erschüttert wird. Ein Handlungsbedarf entsteht typischerweise in folgenden Situationen:

  • Das Nest sitzt direkt über oder neben einer viel genutzten Tür, sodass ein Ausweichen kaum möglich ist.
  • Im Haushalt lebt eine Person mit bekannter Insektengift-Allergie, für die ein Stich lebensbedrohlich werden kann.
  • Das Nest liegt in einem Bereich, in dem sich regelmäßig Kinder aufhalten, etwa an einer Spielfläche.
  • Bauliche Gründe erfordern Arbeiten genau an der Stelle, an der sich das Nest befindet.

In allen anderen Fällen lohnt sich zunächst etwas Geduld: Ein Wespenvolk überlebt den Winter ohnehin nicht, sodass sich das Problem mit den ersten kalten Nächten von ganz allein erledigt. Ein verlassenes Nest wird von der nächsten Generation nicht mehr genutzt, weshalb sich eine spätere Entfernung meist deutlich einfacher gestaltet als ein Eingriff mitten in der aktiven Zeit des Volkes.

Vom Frühjahr bis zum Hochsommer: wie ein Volk wächst

Im Frühjahr beginnt eine einzelne, überwinterte Königin allein mit dem Nestbau, weshalb ein Nest im Mai oder Juni oft noch klein und unauffällig ist. Erst im Hochsommer, wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind und selbst am Ausbau mitwirken, wächst das Nest zügig und wird für Bewohner erstmals wirklich sichtbar. Diese zeitliche Entwicklung erklärt, warum viele Anfragen bei uns gerade im August und September eingehen, wenn die Völker ihre größte Ausdehnung erreicht haben.

Wespen, Hornissen oder Bienen: die Arten im Vergleich

Viele Anfragen bei uns beginnen mit der Unsicherheit, um welche Art es sich überhaupt handelt, denn davon hängt auch das weitere Vorgehen ab:

Art Aussehen Verhalten Rechtlicher Status
Gemeine/Deutsche Wespe Gelb-schwarz, kompakt Kann bei Störung stechen, meidet aber Menschen Besonders geschützt
Hornisse Deutlich größer, rotbraun-gelb Vergleichsweise ruhig, siehe Hornissen am Haus Besonders geschützt, Entfernung genehmigungspflichtig
Honigbiene Pelzig, bräunlich Sticht nur bei direkter Bedrohung des Bienenstocks Geschützt, oft ein Imker zuständig

Ein Schwarm Honigbienen im Garten ist übrigens kein Fall für die Schädlingsbekämpfung, sondern für einen Imker, der die Tiere in der Regel gern und kostenlos abholt.

Schritt für Schritt: richtig vorgehen

  1. Abstand halten. Bleiben Sie fern vom Einflugloch und vermeiden Sie hektische Bewegungen oder Erschütterungen der Wand beziehungsweise des Rollladenkastens.
  2. Lage einschätzen. Prüfen Sie, ob tatsächlich einer der oben genannten Gründe für einen Eingriff vorliegt, oder ob ein bloßes Umleiten der Laufwege genügt.
  3. Fachfirma kontaktieren. Bei begründetem Handlungsbedarf beauftragen Sie einen Schädlingsbekämpfungsbetrieb mit Erfahrung im Umgang mit geschützten Arten; dieser entscheidet vor Ort, ob eine Umsiedlung oder eine Entfernung sinnvoll ist.
  4. Zwischenzeitlich absichern. Bis zum Termin lässt sich der betroffene Bereich oft provisorisch absperren oder mit einem Hinweisschild versehen, statt selbst einzugreifen.
  5. Ursache klären. Nach der Entfernung sollte die Einflugöffnung, etwa ein Loch im Rollladenkasten, dauerhaft verschlossen werden, damit sich dort im nächsten Jahr kein neues Volk ansiedelt.

Typische Fehler vermeiden

Das sollten Sie unterlassen
  • Nest selbst mit Wasser, Rauch oder Hausmitteln bekämpfen – das reizt das Volk und erhöht die Stichgefahr erheblich.
  • Nest zuschütten oder verschließen, während noch Tiere ein- und ausfliegen.
  • Insektensprays aus dem Baumarkt in Wohnräumen oder in der Nähe von Kindern und Haustieren einsetzen.
  • Nest „auf Verdacht" entfernen lassen, ohne dass ein triftiger Grund vorliegt.

Sicherheit im Alltag mit dem Nest

Besteht kein akuter Anlass zum Eingreifen, klappt das Zusammenleben mit einem Wespenvolk erfahrungsgemäß gut. Süße Getränke und Speisen im Freien abdecken, Mülltonnen geschlossen halten und hektische Bewegungen in der Nähe des Nests vermeiden senkt das Stichrisiko spürbar. Kommt es dennoch zu einem Stich, hilft Kühlen der Einstichstelle; bei Anzeichen einer allergischen Reaktion, etwa Atemnot, Schwindel oder großflächiger Schwellung, ist umgehend ärztliche Hilfe gefragt, ein Zögern ist in solchen Fällen keine gute Idee.

Was eine Fachfirma vor Ort tatsächlich macht

Ein spezialisierter Betrieb beurteilt zunächst, um welche Art es sich genau handelt und wie das Nest gebaut ist, denn davon hängt die Vorgehensweise ab. Bei einem begründeten Handlungsbedarf kommen je nach Lage unterschiedliche Methoden zum Einsatz: eine Umsiedlung des gesamten Nests an einen geeigneten, störungsärmeren Standort, eine Absperrung mit anschließendem natürlichem Absterben des Volkes zum Winterende, oder in seltenen Ausnahmefällen eine fachgerechte Entfernung mit entsprechender Schutzkleidung. Welche Variante gewählt wird, entscheidet die Fachfirma nach Ortstermin, nicht pauschal am Telefon.

Versicherung und Zuständigkeit klären

Bei Mietobjekten klärt sich oft erst im zweiten Schritt, wer die Kosten einer Wespennest-Entfernung trägt. In der Regel liegt die Zuständigkeit beim Eigentümer beziehungsweise der Hausverwaltung, da es sich um eine Maßnahme am gemeinschaftlichen Gebäude handelt. Ob eine Gebäudeversicherung anteilig einspringt, hängt vom jeweiligen Vertrag ab und lässt sich am zuverlässigsten direkt beim Versicherer klären, eine pauschale Aussage dazu ist an dieser Stelle nicht möglich.

Kosten realistisch einschätzen

Der Aufwand für einen Einsatz hängt stark von der Zugänglichkeit des Nests ab: Ein frei zugängliches Nest am Rollladenkasten im Erdgeschoss ist deutlich einfacher zu erreichen als ein Nest unter einer hohen Dachschräge, für das ein Hubsteiger nötig sein kann. Ein Kostenvoranschlag beim Ortstermin gibt hier verlässlicher Auskunft als eine Ferndiagnose, feste Pauschalpreise ohne Besichtigung sollten mit Vorsicht betrachtet werden.

Was wir übernehmen

Bei unseren Objektbegehungen halten wir gezielt Ausschau nach Nestern an Fassade, Dachrinne oder Rollladenkasten und halten den Fundort mit Foto und Datum fest. Ob die Voraussetzungen für einen Eingriff erfüllt sind und welcher Betrieb geeignet ist, klären wir gemeinsam mit Eigentümer oder Verwaltung, koordinieren anschließend den Termin und sind beim Einsatz vor Ort ansprechbar. Bei akuten Fällen, etwa wenn ein Nest kurzfristig ein Fluchtwegeproblem darstellt, lässt sich ein Einsatz auch über unseren Notdienst anstoßen. Zum verwandten, noch strenger geschützten Fall finden Sie Näheres im Beitrag zu Hornissen am Haus. Rund um den Hof unterstützen wir zusätzlich mit klassischer Hofpflege, damit offen liegende Speisereste gar nicht erst zusätzliche Wespen anlocken.

Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung; Einzelfragen zum Artenschutz klärt im Zweifel die zuständige Naturschutzbehörde.

Kurz beantwortet

Darf ich ein Wespennest einfach selbst entfernen?

Nein. Wespen sind besonders geschützt, ein Nest darf nur bei einem triftigen Grund und in der Regel durch eine Fachfirma entfernt werden.

Ist ein Wespennest am Haus grundsätzlich gefährlich?

Nicht zwangsläufig. Solange niemand das Nest stört oder erschüttert, verhalten sich Wespen meist zurückhaltend gegenüber Menschen.

Überlebt ein Wespenvolk den Winter?

Nein, mit den ersten kalten Nächten im Herbst endet das Volk von selbst, und das verlassene Nest wird danach nicht erneut genutzt.

An wen wende ich mich bei akutem Handlungsbedarf?

An eine auf Wespen und geschützte Arten spezialisierte Schädlingsbekämpfungsfirma; bei dringenden Fällen unterstützen wir bei der Koordination.

Was kostet die Entfernung eines Wespennests?

Das hängt stark von der Zugänglichkeit ab; ein verlässlicher Preis ergibt sich meist erst nach einem Ortstermin durch die Fachfirma.

Was tue ich bei einem Bienenschwarm statt einem Wespennest?

Hier ist meist ein Imker die richtige Anlaufstelle, der Schwärme in der Regel gern und ohne größere Kosten übernimmt.

Über diesen Beitrag

Geschrieben aus der Praxis unseres Hausmeisterdienstes in Berliner Wohnanlagen, Höfen und Gewerbeobjekten. Hinweise zu Recht, Steuern oder Sicherheit geben einen allgemeinen Überblick und ersetzen keine Beratung im Einzelfall.